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lanforge Torben Korte

Serie · Souveräne Cloud 2026 / Teil 1

Eigene Cloud statt eigener Hardware: was ein sicherer Cluster wirklich kostet

Ziele, Anwendungen, Kosten und Sicherheitsidee: der Überblick über eine eigene, sauber abgesicherte Kubernetes-Umgebung auf mehreren Cloud-Servern bei einem deutschen Anbieter, für eine überschaubare Summe im Monat.

Veröffentlicht 3. November 2026
Ankerbild: eigene Hardware mit Strom, Ersatzteilen und Wartung links, rechts eine Cloud mit mehreren Servern und Schild, dazu ein Preisschild mit 60 bis 70 Euro im Monat

Dateien, Fotos, Dokumente, Passwörter, Finanzen: Wer solche Daten nicht einem großen Plattformanbieter überlassen will, betreibt sie oft auf eigener Hardware im Keller oder im Büro. Das kostet Strom, Zeit und irgendwann eine neue Festplatte. Es geht auch anders: mit einer eigenen, sauber abgesicherten Umgebung zu einem planbaren Preis im Monat. Ich habe mich für eine Kubernetes-Umgebung bei einem deutschen Cloud-Anbieter entschieden.

Diese Serie zeigt eine solche Lösung im echten Betrieb. Grundlage ist eine Umgebung, die früher als Homelab lief und heute komplett auf mehreren Cloud-Servern bei Hetzner läuft. Das Vorgehen lässt sich genauso auf kleine Unternehmen, Selbstständige oder Vereine übertragen, die ihre Daten selbst in der Hand behalten wollen.

Einer meiner Schwerpunkte lag dabei auf Sicherheit, denn wer Daten selbst betreibt, ist auch selbst dafür verantwortlich. Gezeigt wird, wie der Cluster aufgebaut ist und welche Entscheidung warum gefallen ist.

Teil 1 ist der Überblick: was die Lösung leisten soll, welche Anwendungen laufen und was das kostet. Teil 2 zeigt den Aufbau mit Servern, Kubernetes-Distribution, der Sicherheitsidee und dem Weg der Updates. Die Details, auch die Hürden unterwegs, folgen in den weiteren Teilen.

Was sich gegenüber dem Homelab geändert hat #

Wer die Serie Private Cloud 2026@home kennt, wird vieles wiedererkennen, aber kaum etwas ist gleich geblieben. Gewechselt haben nicht nur der Standort und die Kubernetes-Distribution. Auch die Anwendungen und ihre Überwachung laufen heute anders.

BereichHomelabCloud
PlattformProxmox mit VMs auf einem Rechner zuhausemehrere Cloud-Server ohne Hypervisor dazwischen
Kuberneteskubeadm, per Ansible aufgesetztk3s mit eingebautem etcd
NetzCalicoCilium, ersetzt auch kube-proxy
SpeicherLonghorn und SeaweedFSCloud Volumes und Object Storage
DatenbankenPostgreSQL ohne OperatorCloudNativePG mit laufender Sicherung
BackupVeleroDatenbank-Backups per CloudNativePG, Exporte auf die Storage Box
GitForgejoGitLab
AnwendungenNextcloud, Paperless-ngx, Immich, Vaultwardendazu Euro-Office, Firefly III und Ghostfolio
ÜberwachungPrometheus, Grafana, Loki und Alloy, Gatus als AußensichtGatus prüft Dienste und Backups und meldet per Telegram, VictoriaLogs sammelt die Logs aller Dienste zentral

Der Grund ist fast immer derselbe: Auf kleinen Cloud-Servern zählt jedes Gigabyte Arbeitsspeicher, und jede Komponente, die nicht laufen muss, kann auch nicht ausfallen. Statt einer kompletten Monitoring-Plattform beantwortet Gatus die Frage, die im Alltag zählt: Funktionieren die Dienste und die Backups wirklich? Und wenn doch etwas klemmt, liegen die Logs aller Dienste durchsuchbar in VictoriaLogs, ohne den Ballast eines kompletten Stacks aus Prometheus, Grafana und Loki.

Die Ziele #

Die Lösung soll sechs Ziele erfüllen:

  1. Unabhängig von eigener Hardware. Keine Festplatten, die ausfallen, kein Server, der nachts brummt. Vor Ort bleiben nur Router und Arbeitsplatzrechner. Der Anbieter sitzt in Deutschland.
  2. Genug Leistung. Derzeit drei Server mit je 4 vCPU und 8 GB RAM. Bei Bedarf kommen weitere als Worker-Nodes dazu, ohne neue Hardware zu kaufen.
  3. Einfaches Backup. Datenbanken sichern sich laufend selbst, die wichtigen Daten liegen an drei Orten, und der Restore ist getestet.
  4. Überwachte Dienste. Gatus prüft alle Dienste und die Backups und meldet Ausfälle per Telegram. VictoriaLogs sammelt die Logs aller Dienste zentral.
  5. Vernünftige Kosten. Ein planbarer Betrag im Monat statt Strom, Ersatzteilen und gelegentlichen Hardware-Käufen. Auf Dauer ist das etwas teurer als ein Server zuhause, dafür bringt es alles mit, was diese Liste verlangt: keine eigene Hardware, Hochverfügbarkeit, Backups an mehreren Orten und Platz zum Wachsen.
  6. Sicher und reproduzierbar. Kein Dienst ist für das ganze Internet offen, und jede Einstellung liegt in einem Git-Repository. Fällt der Cluster komplett aus, entsteht er aus dem Repository und den Backups neu.

Die Anwendungen #

Auf dem Cluster laufen die Dienste, die sonst bei Google, Apple, Dropbox oder einer Banking-App lägen:

BereichAnwendungWofür
Dateien und KalenderNextcloud mit Euro-OfficeDateiablage, Kalender, Kontakte, Office-Dokumente im Browser
FotosImmichFotoverwaltung mit automatischem Upload vom Handy
DokumentePaperless-ngxScannen, Texterkennung, Ablage und Volltextsuche
PasswörterVaultwardenPasswortmanager, kompatibel zu den Bitwarden-Apps
FinanzenFirefly III und GhostfolioHaushaltsbuch mit automatischem Bankabruf, Depotübersicht
AnmeldungKanidmein Login mit Passkeys für alle Dienste
ÜberwachungGatusprüft Dienste und Backups, meldet Ausfälle per Telegram
LogsVictoriaLogssammelt die Logs aller Dienste zentral und durchsuchbar

Die Kosten #

Abgerechnet wird sekundengenau, jede Leistung hat aber eine feste Obergrenze pro Monat. Ein Testserver, der zwei Stunden läuft, kostet nur diese zwei Stunden, und ein Server, der den ganzen Monat durchläuft, nie mehr als seinen Monatspreis. Die Summe schwankt deshalb leicht von Monat zu Monat, große Überraschungen gibt es aber nicht.

PostenWofür
Serverder größte Posten: Rechenleistung und Arbeitsspeicher
Load Balancerder feste Eingang aus dem Internet
VolumesDatenbanken und Konfiguration
Object StorageDateien und Backups
Storage Boxzweiter, unabhängiger Backup-Ort

Zusammen liegt dieser Aufbau bei etwa 60 bis 70 € im Monat (Stand Herbst 2026). Für mehrere Server mit Hochverfügbarkeit, Backups an mehreren Orten und ohne eigene Hardware ist das ein fairer Preis.

Fazit #

Eine eigene Cloud mit allen wichtigen Diensten braucht keine eigene Hardware mehr. Für etwa 60 bis 70 € im Monat laufen Dateien, Fotos, Dokumente, Passwörter und Finanzen hochverfügbar bei einem deutschen Anbieter, mit Backups an mehreren Orten und Platz zum Wachsen. Der Aufwand verschiebt sich von der Hardware zum sauberen Konfigurieren und Nachprüfen.

Wie die Umgebung dafür aufgebaut ist, zeigt Teil 2 (erscheint am 5. November): die Wahl der Server, warum k3s und Cilium, die Sicherheitsidee in mehreren Schichten und Updates ohne Handarbeit.

Sie möchten so eine Umgebung für Ihr Unternehmen, ganz oder in Teilen? Ich baue sie auf, dokumentiere sie und übergebe sie an Ihr Team. Mehr dazu unter Cloud-Native & Kubernetes und IT-Security & Absicherung.


Diesen Artikel gibt es auch auf LinkedIn. Gedanken dazu, Fragen oder eigene Erfahrungen mit digitaler Souveränität: Ich freue mich auf die Diskussion.

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