Private Cloud: Digitale Souveränität: Warum ich meine Cloud jetzt selbst hoste

Inhaltsverzeichnis
Die Überlegung zu diesem Setup begann mit zwei konkreten Ereignissen: Im Februar 2025 sperrte Microsoft das dienstliche E-Mail-Konto des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshofs — nicht aus bösem Willen, sondern weil US-Sanktionsrecht den Konzern dazu zwang. Im Dezember desselben Jahres verhängte die Trump-Administration Einreiseverbote gegen den früheren EU-Kommissar Thierry Breton und vier weitere Europäer — weil sie ein demokratisch beschlossenes europäisches Gesetz umgesetzt hatten.
Beide Fälle zeigen dasselbe: Ein einziges Dekret aus Washington kann digitale Infrastruktur in Europa stilllegen und europäische Politiker für europäische Entscheidungen persönlich sanktionieren. Das ist keine Theorie. Das ist passiert.
Obwohl ich mit iCloud und Google-Diensten über Jahre sehr zufrieden war — und es teilweise noch bin —, stellte sich mir irgendwann die Frage: Kann ich eine vergleichbare Lösung mit Open Source Software bauen? Sicher, alltagstauglich, und ohne von den Geschäftsbedingungen eines einzigen Anbieters abhängig zu sein?
Unabhängigkeit ohne Komfortverlust #
Das Ziel war klar: Dateien, Fotos, Kalender, Passwörter, Dokumente — alles unter eigener Kontrolle, aber mit demselben Komfort, den ich von Apple und Google gewohnt war. Keine Abstriche bei der Alltagstauglichkeit, keine Kompromisse bei der Zusammenarbeit mit anderen. Und das Ganze auf einer Infrastruktur, die ich verstehe, kontrolliere und bei Bedarf auch für andere aufbauen kann.
Bewusste Entscheidungen beim Standort #
Dass mir Datensouveränität wichtig ist, ist keine neue Überzeugung. Meine primäre E-Mail läuft seit Jahren über Posteo aus Berlin, meine Backups liegen bei Contabo in München — deutsches Rechenzentrum, deutsches Unternehmen, DSGVO-konform. Der Standort der Daten war mir schon immer ein Kriterium.
Das bedeutet nicht, dass ich die großen Dienste nie genutzt hätte. iCloud, Outlook, Google — ich habe sie alle verwendet, manche davon intensiv und gerne. Aber gerade bei besonders schützenswerten Daten habe ich schon immer zusätzlich verschlüsselt. Das Vertrauen war begrenzt, auch wenn der Komfort hoch war.
Der Weg zur eigenen Infrastruktur #
Die gesamte Infrastruktur läuft auf einem einzigen dedizierten Rechner — überschaubare Hardware, erstaunlich viele Möglichkeiten. In den folgenden Teilen dieser Serie nehme ich euch mit: von den Architekturentscheidungen über die konkrete Hardware bis hin zu den Details des Betriebs.
Dieser Text entsteht übrigens gerade live in der Collaboration Suite meiner eigenen Nextcloud. Das System läuft, es ist produktiv — digitale Souveränität ist kein theoretisches Konstrukt, sondern machbar.
Im nächsten Teil: Werfen wir einen Blick auf die Architektur. Ich erkläre, warum ich mich für bestimmte Komponenten entschieden habe — und welche Abwägungen dahinterstecken.
Dieser Artikel erschien zuerst auf LinkedIn. Gedanken dazu, Fragen oder eigene Erfahrungen mit digitaler Souveränität — ich freue mich auf die Diskussion:
Diskussion auf LinkedIn öffnen